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Besuch in der Gedenkstätte

1. Juli 2026

Wer kennt die Eiserne Hand in Riehen? Unter anderem um das zu ändern reisten 17 Personen auf Einladung der Reformierten Kirchengemeinde Lausen am 13. Juni 2026 nach Riehen zu der Gedenkstätte für Flüchtlinge des Zweiten Weltkrieges und trafen dort  Johannes Czwalina, der zusammen mit R. J. Geigy die Gedenkstätte vor 15 Jahren initiiert hatte. Bis heute habe sein Projekt zu wenig öffentliche Unterstützung und in der Vergangenheit sogar deutlichen Gegenwind erfahren. Dennoch gelang es ihm,  Gleichgesinnte zu finden und einen beeindruckenden Ort zu schaffen, der Mahnmal, Vortrags- und Museumsort zugleich ist. Wie wir erfuhren, droht aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen im nächsten Jahr das Ende dieser Aktivitäten.

Die eiserne Hand ist eine schmale, erhöhte Ebene, ein Stück Riehener Gemeindegebiet von 1,8 km Länge und einigen 100 m Breite, das wie ein Dorn nach Deutschland hineinreicht. Seine Seiten sind steil und dicht verwachsen. Der eigentümliche Name stammt wohl aus der Grenzbesetzung des 1870/71er Krieges, weil auf der Landkarte der Grenzverlauf dem seitlichen Schattenriss einer offenen Hand gleicht. Die unübersichtlichen Teile der Landesgrenze bei Lörrach über Inzlingen bis zum Chrischonaberg wurden in der Nazizeit mit Stacheldraht und einem Holzverhau von 3 m Höhe und 5 m Breite verschlossen. Die Eiserne Hand lag aber so ungünstig, dass man es aufgab, um die gesamte Länge herum den Zaun zu führen. So blieb eine Lücke der Grenzbefestigung nördlich des Hofes Maienbühl von etwa 300 m Breite übrig. In der Folge bot das Gestrüpp der Eisernen Hand für Flüchtlinge einen Eingang in die Schweiz. Sie wurden am Hof Maienbühl kurz aufgenommen und versorgt und danach von der Basler Polizei entgegengenommen. Wenn auch die Basler Politik und eine Reihe von Grenzbeamten offener den geflüchteten Juden gegenüber waren, als von Bern verlangt und von anderen Grenzkantonen praktiziert, zeigen einige in der  Gedenkstätte ausgestellte Protokolle der Behörden, dass oft genug Menschen direkt vom Maienbühl nach Grenzach gebracht und nach telefonischer Absprache «an die Grenze gestellt wurden», das heisst, der Gestapo oder der deutschen Polizei ausgeliefert wurden. Die Protokolle verbergen die dramatischen Szenen dieser Ereignisse nur schwach im Beamtendeutsch. Einige Lebensberichte jüdischer Flüchtlinge, behördliche Korrespondenz, Polizeiprotokolle und verschiedene erklärende Texte, die Bibliothek und der Buchladen als Selbstbedienungsregal mit Kasse stehen täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr in den meist unbewachten und einladenden Räumlichkeiten den Besuchern zur Verfügung. Als Zeitzeuge kam während des Besuches Xxx Ihr zu Wort, der als Sohn eines jüdischen Flüchtlings aus seiner Basler Jugendzeit in den 1950ern erzählte und aufrüttelnde Schilderung seines Onkels aus Buchenau vorlas. Nach dem offerierten Apéro, das sehr herzlich verdankt sei, begab sich ein Teil der Gruppe auf die kurze Wanderung zum Lokaltermin an der Eisernen Hand.

Wir danken Johannes Czwalina für die Gelegenheit zu diesem informativen Besuch, und für die Ausführungen während der Begehung an der Grenze bis hinunter zurück zum Bahnhof Riehen.

Bis heute hat Riehen als einziger Ort in der Schweiz eine Gedenkstätte für diese Ereignisse.